10 Sekunden für Taiwan

Gebetsbewegung für die Arbeiterschicht Taiwans


“Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen,
das will ich tun.” Joh 14,14





Die Arbeiterschicht Taiwans

60-70% der Bevölkerung Taiwans gehören zur Arbeiterschicht, insgesamt etwa 15 Millionen Menschen. Davon sind weniger als 0,5 % Christen. Das heißt, dass 99,5 % der Menschen in der Arbeiterschicht vom Evangelium unerreicht sind! Bis jetzt haben sie noch nie von Jesus gehört. Ihr Leben ist bestimmt von Ahnenverehrung, Götterkult, Wahrsagerei und Aberglaube. Wir glauben, dass nur konkretes und beständiges Gebet die Herzen für die Gute Nachricht von Jesus öffnen kann. Deswegen wollen wir weltweit möglichst viele Gebetspartner mobilisieren, die regelmäßig für die Arbeiterschicht Taiwans beten.

Religion

Religion in Taiwan ist eine Mischung aus Volksreligion und traditioneller chinesischer Religion.
Die taiwanesische Volksreligion kann man als animistisch, polytheistisch und synkretistisch beschreiben.
Animistisch bedeutet: Taiwanesen sind überzeugt, dass ihr Alltag von unsichtbaren Mächten beeinflusst wird.
Polytheistisch bedeutet: Taiwanesen verehren eine Vielzahl von Göttern.
Synkretistisch bedeutet: Taiwanesen haben verschiedenste und manchmal sogar sich widersprechende Religionen zusammengemischt. Die Grenzen sind fließend geworden, und neue Ideen werden gerne aufgenommen


Die traditionelle Chinesische Religion ist eine Kombination von Ahnenverehrung, Taoismus und Buddhismus. Obwohl jede dieser Religionen ihre eigenen Götter und Lehren hat, werden sie oft so sehr vermischt, dass man nicht mehr unterscheiden kann, was taoistisch und was buddhistisch ist.

Es gibt zwei Hauptgottheiten in Taiwan:
Matsu, die Göttin der See, kommt aus der taiwanesischen Volksreligion. Kuanyin ist die buddhistische Göttin der Gnade. Beide werden oft im selben Tempel angebetet! Es gibt mehr als 16.000 registrierte Tempel in Taiwan. Damit hat Taiwan weltweit die meisten Pro-Kopf Tempel.

Die Menschen der Arbeiterschicht Taiwans glauben außerdem an die Existenz von Geistern.
Sie sind überzeugt, dass jeder Mensch nach seinem Tod zu einem Geist wird. Es gibt gute Geister und hungrige, böse Geister. Die guten Geister werden von ihren Angehörigen regelmäßig mit Weihrauch verehrt und mit Opfergaben wie Essen und “Geistergeld” versorgt.
Wird ein Mensch nach seinem Tod nicht von seinen Nachkommen verehrt oder starb er unter tragischen Umständen (z.B. bei einem Erdbeben verschüttet), so wird er zu einem “Hungrigen Geist”.
Die Taiwanesen glauben, dass diese “Hungrigen Geister” Unglück auf einen einzelnen oder die ganze Familie bringen können und so die Ursache von Krankheiten, Familienkonflikten oder finanziellen Verlusten sind.

Natürlich will niemand selbst ein Hungriger Geist werden. Deshalb dient die Ahnenverehrung vor allem zwei Zwecken:
Zum einen sichert man sich dadurch die Gunst der eigenen Ahnen.
Zum anderen setzt man ein gutes Beispiel für die eigenen Kinder, damit sie die Eltern nach deren Tod weiter verehren und durch Opfergaben zu guten Geistern werden lassen.

Ahnenverehrung ist deswegen äußerst wichtig für die Menschen der Arbeiterschicht. So wichtig, dass Kindern (besonders dem ältesten Sohn) von ihren Eltern verboten wird, Christen zu werden, „denn dann würdest du mich nach meinem Tod nicht verehren, und ich müsste ein Hungriger Geist werden!“

Für die Durchführung der Ahnenverehrung gibt es in jedem Haus einen Altar mit Ahnentafeln, auf denen die Namen der verstorbenen Ahnen aufgeführt sind. Auf diesem Altar werden täglich Opfergaben dargebracht.

Zusätzlich zu den Ahnentafeln sind auf dem Altar ein oder mehrere Familiengötter aufgestellt.

Während man bei der Ahnenverehrung die Geister / Ahnen beschwichtigen will, will man mit den Göttern einen Handel machen. Dieser “Handel” sieht so aus, dass man den betreffenden Gott durch Weihrauch und Opfergaben verehrt und im Gegenzug dafür Schutz, Beistand oder Segen erhält.
Am meisten wünscht man sich Segen in Form von Geld!
Mächtigere Götter werden in Tempeln verehrt. Die populärsten Götter sind Tho-ti-kong, der Gott der Erde, und Matsu, die Göttin der See.


Geschichte und Gesellschaft

Die Hokkien sprechenden Taiwanesen bilden die Mehrheit in der Bevölkerung Taiwans. Sie sind Teil von weltweit etwa 49 Millionen Hokkien sprechenden Chinesen.
Ihre Wurzeln gehen zurück in die Küstenprovinz Fujian, die auf dem chinesischen Festland gegenüber Taiwan liegt. 

Im frühen 13. Jahrhundert kam es zu einer massiven Einwanderungswelle aus der Provinz Fujian nach Taiwan. Diese Einwanderer vertrieben die ursprünglichen Bewohner Taiwans in die Berge, wo sie noch heute in verschiedenen Ureinwohnerstämmen leben.

1623 – 1664 wurden Teile Taiwans von den Holländern besetzt.
1683 wurde Taiwan zum ersten Mal offiziell Teil des Chinesischen Reiches. Es wurde als ein Verwaltungsbezirk der Provinz Fujian geführt.

Als 1895 die chinesische Armee durch die Japaner in Korea besiegt wurde, wurde Taiwan durch den Vertrag von Shimonoseki den Japanern übergeben. Für die nächsten 50 Jahre war Taiwan unter japanischer Herrschaft.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges musste das besiegte Japan seine Kolonie wieder abtreten, und so kam Taiwan 1945 wieder unter chinesische Herrschaft. 1949 landete der chinesische Staatpräsident Chiang Kai-Shek mit der Kuomintang-Partei und ihrer ganzen Armee auf der Flucht vor Mao Tse-Tungs Kommunisten auf Taiwan. Dort rief er die "Nationale Republik China" aus und begann eine Exil-Regierung.

Bis 1987 stand Taiwan unter Kriegsrecht, erst dann wurde der Ausnahmezustand aufgehoben.
1996 wurde zum ersten Mal ein Präsident in einer demokratischen Wahl gewählt.
In der zweiten Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 verlor die regierende Kuomintang-Partei zum ersten Mal in 54 Jahren die Regierungsmacht an die Oppositionspartei DPP (Demokratische Fortschrittspartei).

Die meisten der Hokkien sprechenden Taiwanesen gehören zur Arbeiterschicht. Sie arbeiten in Fabriken, betreiben Kleinläden oder Garküchen, oder bieten verschiedenste Dienstleistungen an (Autoreparatur, Friseure, Taxifahrer usw).  Viele haben nur die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschulausbildung absolviert, aber nie eine Berufsausbildung bekommen. Viele arbeiten auf Stundenlohnbasis anstatt ein geregeltes Gehalt zu bekommen. Ihr Verdienst ist bedeutend niedriger als der von besser ausgebildeten Arbeitern.